Recruiting – Wo kommen nur die Fachkräfte her? (II)

Aktuelle Trends / Tendenzen / Entwicklungen in Personalbeschaffung und Bewerbung

In den letzten Jahren hat sich die Vorstellung davon, wie geeignete Mitarbeiter gefunden werden können, in jeder Hinsicht grundlegend gewandelt. Früher übliche Anwerbemethoden spielen heute fast keine Rolle mehr.

Dafür aber ist in den Unternehmen die Einsicht gewachsen, dass In Zeiten des demographischen Wandels und des Mangels an Fachkräften die Bildung einer positiven „Arbeitgebermarke“ und die Mitarbeiterbindung wichtigste Bestandteile sind, um auf dem Personalmarkt zu guten Ergebnissen zu kommen. Anders ausgedrückt: Nicht mehr nur die Bewerber für eine offene Stelle müssen sich von ihrer besten Seite zeigen, auch das Unternehmen muß das tun, um für mögliche Bewerber attraktiv zu sein. Mögliche Bewerber suchen sich heute ihr neues Unternehmen gerne nach Arbeitsbedingungen aus. Immer mehr Arbeitnehmer fordern die Möglichkeit eines Home-Offices oder von flexiblen Arbeitszeiten. Immer mehr Unternehmen reagieren auf diese Anforderungen.

Annoncen in Schriftmedien spielen bei der Personalsuche heute kaum noch eine Rolle. Auch die Möglichkeit einer Anzeige freier Stellen bei der Agentur für Arbeit wird nur selten wahrgenommen. Für die langfristige Deckung des Fachkräftebedarfs setzen viele Unternehmen auf eigene Ausbildungsmaßnahmen. Viele große Firmen haben auch bereits ein eigenes Recruiting-Center installiert, in dem ein Talent-Pool aufgebaut wird. Gerne werden auch Netzwerkkontakte der Mitarbeiter für die Personalsuche genutzt, oft mit dem Anreiz eines Bonus, wenn die Empfehlung eines Mitarbeiters dann auch wirklich zur Einstellung führt.

Immer häufiger zeigen Unternehmen ihre zu besetzenden Stellen online an. Den größten Stellenwert haben dabei die Unternehmens-Webseiten, gefolgt von Internet-Stellenbörsen. Zunehmend nutzen Unternehmen Social Media. Über XING, Linkedin und (seltener) Facebook veröffentlichen sie das Firmenprofil und offerieren Arbeitsangebote. Immer häufiger werden auch Karriere-Events für Studenten und / oder Absolventen genutzt, um geeignete Kandidaten (auch längerfristig) für bestimmte Arbeitsbereiche gewinnen zu können. Das geht mittlerweile vereinzelt bis zu „Recruitainment“-Veranstaltungen – ein ganz neuer Trend – mit denen vorwiegend jüngeren Fachkräften ein junges dynamisches Firmenprofil vermittelt und so ein Anreiz für einen Einstieg in dieses Unternehmen geschaffen werden soll.

Auch die Anforderungen an die Form der Bewerbungen haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Immer häufiger werden Online-Bewerbungen gefordert, viele Unternehmen stellen Formularbewerbungen auf ihre Internetseiten. Früher übliche Bewerbungsmappen sind nicht mehr gefragt. Das klassische Anschreiben und ein lückenloser Lebenslauf werden immer unwichtiger.

Immer stärkere Bedeutung erhalten dagegen Kurzprofile, in denen Softskills wie Teamfähigkeit, Analysefähigkeit u.ä. eine große Rolle spielen, also Kompetenzen, die mit der geforderten Qualifikation zunächst nichts zu tun haben, die aber in der täglichen Arbeit für einen reibungslosen Ablauf wesentlich sind.

Recruiting – Wo kommen nur die Fachkräfte her? (I)

Das Ende des Vermittlungs-Monopols

In den kommenden Artikeln möchten wir uns mit dem Thema Recruiting beschäftigen. Denn festzustellen dass sehr viele IT-Spezialisten als Freiberufler arbeiten wirft doch die Fragen auf: Wie kommen die freiberuflich Tätigen an ihre Projekte? Und: Wie erfahren die Auftraggeber von den für ihr Projekt passenden Fachkräften?

Bis 1994 hatte in Deutschland das Arbeitsamt das Monopol für die Vermittlung von Arbeitsplätzen. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das dieses Monopol als Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht ansah, bewirkte, dass die Vermittlung von Arbeitsplätzen nun auch von privaten Anbietern möglich war. In der Folge gründete sich eine Unmenge von vorwiegend Zeitarbeitsfirmen.

Dies hatte Auswirkungen vor allem für den regulären Arbeitsmarkt. Arbeitssuchende wandten sich sehr viel lieber an die privaten Vermittler, sahen sie dort doch eine weitaus höhere Erfolgschance auf einen neuen Arbeitsplatz. Aber in dieser Zeit entwickelte sich auch ein sogenannter „atypischer“ Arbeitsmarkt mit befristeten Arbeitsverhältnissen, Teilzeitbeschäftigungen und der Unterstützung der Gründung von Kleinstunternehmen.

Zeitgleich entwickelte sich die Informationstechnologie zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor. Unternehmen suchten dringlichst nach Experten für ganz spezielle Problemlösungen. Studienabsolventen begannen auf freiberuflicher Basis Projekte zu bearbeiten – teils aus der Not geboren weil sie keine Festanstellung erringen konnten, teils aus Überzeugung.

Darauf reagierte auch der private Arbeitsvermittlungs-Markt. Einige Vermittler spezialisierten sich auf die Suche nach Fach- und Führungskräften. Andere begannen gezielt nach Freiberuflern mit Spezialkenntnissen zu suchen. Der Beruf des sogenannten „Headhunters“ wurde nun auch in Deutschland zum akzeptierten Metier. „Headhunter“ verstehen sich als Personalberater und bevorzugen diese Berufsbezeichnung.

Mit dieser Entwicklung einher ging und geht auch eine Veränderung sowohl im Einstellungsverhalten der Unternehmen als auch im Bewerbungsverhalten der potentiellen Mitarbeiter. In Zeiten eines Fachkräftemangels einerseits und einer Differenzierung und Spezialisierung gerade im IT-Bereich greifen althergebrachte Methoden der Mitarbeitersuche nicht mehr. Deshalb greifen immer mehr Unternehmen auf die Dienstleistung eines Personalberatungsunternehmens zurück.

Mittlerweile gibt es in Deutschland zwischen 5.000 und 6.000 Headhunter in etwa 2.000 Personalberatungsunternehmen, die sich inzwischen auf eine bestimmte Zielgruppe spezialisiert haben, im IT-Bereich teilweise sogar auf bestimmte Anwendungsfelder.

Eine Weiterentwicklung des Recruiting-Markts erfolgte dann durch die Verbreitung von Social Media Kanälen seit der Mitte der 2000er Jahre. Recruiting wurde nun globalisiert. Nicht selten sitzen nun die Headhunter für eine Projektstelle in einer deutschen Firma im europäischen Ausland, in den USA oder in Asien.